Lost in Windhoek – Warum ein Taxifahrer keine Fahrtziele kennen muss

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Wer noch nicht in den Genuss einer Taxifahrt in Windhoek gekommen ist, sollte dies bitte unbedingt nachholen. Adventure und Amüsement für kleines Geld sind garantiert.

Wer noch nie in Windhoek gewesen ist sollte wissen, dass es hier gefühlt 100000 Taxen gibt. Die Stadt besteht quasi aus Taxen. Jedes zweite Auto ist ein Taxi.

Super denkt man sich. Dann komme ich ja schnell und preiswert an jeden Ort meiner Wahl.

Hätte ich da nicht die Taxifahrer vergessen. Preiswert ja, aber schnell ist hier definitiv Auslegungssache;-)

Was mir bis vor Kurzem nicht bewusst war ist, dass sich der Taxifahrer lediglich auf das Bedienen des Fahrzeuges beschränken können muss. Mehr wird nicht erwartet.

Gas geben, auf den letzten Drücker bremsen und den Blinker setzen. Das Radio bedienen und fahren. Das ist alles was er können muss. Wer kann schon verlangen, dass ein Taxifahrer eine Idee von den Koordinaten für Sehenswuerdigkeiten, öffentliche Plaetze, Restaurants, Schwimmbaeder, Fitnessstudios, Kirchen und Denkmäler hat. Ein Taxifahrer muss Taxi fahren können. Thats it.

Wie konnte ich auch annehmen, dass ein Taxifahrer, der nichts anderes tut als den ganzen Tag durch Windhoek zu fahren (12 Stunden zumeist), auch nur im Ansatz die wichtigsten Örtlichkeiten der Stadt kennen würde. Manchmal erwarte ich echt zu viel…

Was bei diesen Gegebenheiten dann besonders Freude macht ist die Kombination aus mir, die weder Orientierungssinn noch Plan von der Stadt hat und einem Taxifahrer der weder weiß wo die Christus Kirche steht, noch wo er selbst wohnt. Dann sitzen nämlich zwei planlose Menschen glücklich vereint in einem Auto und fahren stundenlang orientierungslos in der Gegend umher.

Sicher denkt ihr jetzt, dass der nette Herr Orientierungsbefreit ja auch einfach anhalten und nachfragen könnte. Aber: auch das darf man selbstverständlich nicht erwarten. Beschränkt sich das Aufgabenspektrum ja wie bereits gesagt auf Gas geben, Bremsen, Blinken und Abbiegen. Wenn dann noch hinzu kommt, dass die Mehrzahl der Taxipiloten männlich sind, erübrigt sich die Frage warum niemand nach dem Weg fragt:

Wissen wir doch, dass Männer niemals nach dem Weg fragen würden. Lieber fahren sie 1 Woche in die falsche Richtung oder kommen mit 10 Tagen Verspätung am gewünschten (oder einem anderen) Ziel an. Aber mal ehrlich. 2 Minuten nachfragen ist auch wirklich wahnsinnig unmännlich. Demnach gestaltet sich dank des männlichen Stolzes eine eigentlich 10 minütige Taxifahrt zu einer 3 stündigen Sightseeing Tour. Immer wieder schön;-)

Beharrt man dann aber dennoch nach gefühlt 2 Stunden Taxifahrt darauf vielleicht doch mal jemanden zu fragen der mehr Ahnung hat als ein Taxifahrer (also alle außer Taxifahrer), wird man als Fahrgast netterweise in die Suche involviert. In all seiner Güte hält der Orientierungsmeister beim Objekt seiner Begierde an (meist Afrikaans, Damara oder anderssprachige Menschen) um mich dann mehrmals aussteigen zu lassen um mit meinen Landsleuten in fließend Afrikaans und Damara das Fahrtziel zu erörtern. Gut, dass ich weder Afrikaans noch Damara verstehe;-) Immernoch planlos steige ich also 10 mal aus dem Taxi, bis ich endlich irgendjemanden finde, der mir den Weg in verständlichem Englisch erklären kann. Schön wie schnell man neue Menschen kennenlernen darf;-)

Aber sehen wir es positiv: bald kenne ich jede Straße Windhoeks und biete eventuell ab naechstem Jahr Stadtfuehrungen fuer namibische Taxifahrer an;-) Bis dahin male ich vor jeder Taxifahrt fleißig Bildchen und studiere die Karte bevor es losgeht. Ich muss dem Taxifahrer ja schließlich erklären wo WIR hin fahren.

In diesem Sinne: wer mal in Windhoek einen Termin haben sollte; plant genügend Zeitpuffer ein;-)

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3 Gedanken zu “Lost in Windhoek – Warum ein Taxifahrer keine Fahrtziele kennen muss

  1. Beruhigend zu wissen, dass man dies nicht nur in Windhoek erleben kann. Mir sind Fahrgelegenheiten bekannt, die von einer verpassten Autobahnabfahrt, so ihre Schwierigkeiten mit dem Erreichen des Hannover Hbf. hatten. Ja, und dies mit so unterschiedlichen Mentalitäten.Wolfgang

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